22 Regeln, die ich täglich breche

Ich muss täglich Regeln brechen, um Minimalistin zu sein. Aber das ist was Gutes!

Ich bin ein sehr regeltreuer Mensch. Ich halte wirklich am Stoppschild und fahre nicht absichtlich zu schnell. In meinem Hauptjob geht es ganz oft ums Regeln-Einhalten. Ich lasse kein Zähneputzen ausfallen und beauftrage keine Schwarzarbeit. Trenne meinen Müll. Und so weiter. Ich finde Regeln wichtig und sinnvoll.

Nee. Anders: Ich finde viele Regeln wichtig und sinnvoll und halte sie deshalb ein. Damit niemand überfahren wird, die Zähne gesund bleiben und so weiter.

Aber es gibt auch andere Regeln, und von denen breche ich als Minimalistin ziemlich viele ziemlich oft. Das ist, wie ich feststellen muss, geradezu der Kern des Minimalismus.

Es sind die gesellschaftlichen, haben-wir-schon-immer-so-gemacht Regeln übers Haben und Sein, über Konsum, übers Dazugehören und über Dinge. Denn von denen finde ich sehr viele sehr sinnlos!

Diese 22 Regeln breche ich täglich

Eine bunte Auswahl in zufälliger Reihenfolge. Wahrscheinlich breche ich eigentlich noch viel mehr…

Es muss das neueste Smartphone sein.
Nein. Ein Smartphone muss funktionieren für das, was ich damit machen will. Alles andere wäre Geld- und Ressourcenverschwendung. Wer sich am Alter oder Zustand meines Smartphones stört, hat Pech. (Passender Lesetipp: Weniger Zeit am Handy verbringen.)

Frau braucht Schminkzeug.
Nein. Spätestens seit ich meine drei Töchter beim Aufwachsen beobachte, finde ich es SO krass schlimm, wie selbstverständlich es von Generation zu Generation weitergereicht wird, dass Frauen durch das Anmalen ihres Gesichtes schöner sind. Das ist so fest drin, dass Frauen sogar denken und sagen, sie tun es für sich. (Und so fest, dass sogar ich mich manchmal ein minibisschen schminke, weil ich es für bestimmte Anlässe nicht aushalte, es nicht zu tun.)

Kinder brauchen viel Spielzeug.
Nein. Kinder sind mit weniger Spielzeug konzentrierter und kreativer. Ist wissenschaftlich untersucht. (Lesetipp: Artikelserie zum Ausmisten mit Kindern – Teil 1 hier.)

Man fliegt jedes Jahr in den Urlaub.
Nein. Das ist umweltschädlich und für eine schöne Ferienzeit keine zwingende Voraussetzung. Es gibt so viele andere Möglichkeiten, die Umwelt und Geldbeutel weniger belasten und genauso viel Spaß machen. (Lesetipp: Minimalismus im Familienurlaub)

Sachen, die man vielleicht irgendwann nochmal braucht, bewahrt man auf.
Nein. Zu viele Dinge chaotisieren einem die Bude voll, machen Arbeit und verursachen Stress. Diese Dinge kann ich aussortieren. Ich werde die wenigsten davon später nochmal brauchen. Und dann werde ich in der Regel trotzdem ohne sie auskommen, auch wenn’s dann kurz mal etwas unpraktischer ist. (Lesetipp: Das könnte ich vielleicht irgendwann nochmal brauchen – ein Problem und seine Lösung)

Man beschenkt sich gegenseitig zum Geburtstag und zu Weihnachten.
Nein, ist überhaupt nicht zwingend. Warum Schenken nur wegen des Datums? Mit den Erwachsenen in meinem Familien- und Freundeskreis gibt es Null-Geschenk-Absprachen zumindest zu Weihnachten, zum Teil auch zum Geburtstag. Das ist SOWAS von entspannend! Man hat doch eh schon alles. (Lesetipp: Weniger Traditionen – mehr Weihnachten)

Gemälde der Kinder hebt man für immer auf.
Nein, das hilft niemandem und führt nur zu turmhohen Stapeln, von denen ich mich später nur noch schlechter trennen kann, weil sie sich mit der Zeit immer mehr sentimental aufladen. Es reicht mir, ein paar Stellvertreter-Gemälde aufzubewahren. (Lesetipp für das Ausmisten von Papierstapeln)

Kleider machen Leute.
Das ist in meinen Ohren der größte Quatsch. Kleidung soll bedecken, wärmen und im Idealfall der Person gefallen, die sie trägt. Das reicht. Deswegen ist meine Kleidung weder modisch noch neu, sondern gefällt mir halt.

Man hat einen großen Schrank mit Bettwäsche und Handtüchern.
Nee, finde ich unnötig. Bettwäsche: 1-2 Sätze pro Bett. Handtücher 2-3 pro Person, 2-3 zusätzliche falls mal ein Gast kommt. (Handtücher und Bettwäsche eignen sich übrigens gut als Start für dein Ausmist-Projekt!)

Ein Werbegeschenk nimmt man an – ist ja kostenlos!
Für mich eine schlechte Idee. Kostet vielleicht kein Geld, aber anderes: Ist überzählig, trägt zum Dingechaos bei, muss aufgeräumt, verwahrt, gepflegt, geputzt werden. Werbegeschenke nehme ich nur, wenn ich sie wirklich gerade sehr gut gebrauchen kann! (Es sei denn, ich bin mal wieder überrumpelt. Diese Regel ist wirklich manchmal schwer zu brechen. Wenn dich das Thema interessiert, schau in meinem kostenlosen E-Mail-Kurs „Kramschranke“ vorbei!)

Aussortierte Sachen verkauft man, ist ja sonst schade drum!
Wenn ich es mir irgendwie leisten kann, gebe ich möglichst viele aussortierte Dinge kostenlos weg und verkaufe nur hochpreisige. Sonst bildet sich nämlich bei mir schnell der gruselige Loswerde-Berg, und der kann am Ausmisten das Schlimmste sein und mich so richtig ausbremsen und frustrieren. Verkaufen ist mir einfach zu aufwändig! (Den Loswerde-Berg kannst du übrigens mit meinem Loswerde-Plan angehen.)

Mindestens 20 Business-Outfits sollten schon im Schrank sein.
Für mich ein Nein. Niemand achtet wirklich darauf, was die Kollegen heute anhaben und ob sie das vorgestern auch schon an hatten. Businessklamotten für eine Woche reichen mir völlig – und auch da braucht es nur drei statt fünf Hosen.

Man gibt seinen Kindern keine Second Hand Kleidung.
Doch, ich schon. So lange sie damit ok waren und zum Teil heute noch sind, mache ich das. Es spart Ressourcen und auch Geld und meine Mädels sind nicht den ekligen Giftstoffen aus heutiger Kleidungsherstellung ausgesetzt – die sind dann schon alle rausgewaschen.

Wenige Dinge haben geht mit Kindern nicht.
Ist nicht richtig, kommt immer drauf an wie die Eltern es angehen. (Lesetipp: 6 Irrtümer über Minimalismus mit Kindern)

Shopping macht Spaß.
Mir nicht. Mir zieht es die Energie aus jeder Zelle. Deshalb mache ich es so selten wie möglich.

Kindergeburtstage brauchen eine Riesenparty.
Nein, Geburtstagskinder werden bei uns so gefeiert, wie es zu ihnen (und ihrem Alter) passt. (Lesetipp: Kindergeburtstag minimalistisch)

Man geht nicht mit Minimalschuhen in wichtige Termine.
Ich mittlerweile schon. Ich trage nur noch Minimalschuhe, da ich mich nicht mehr in Schuhe quetschen will, die eine andere Form haben als Füße. (Diese Regel kann schwer zu brechen sein. Mal schauen, wann ich es mal nicht schaffe.)

Geschenkte Sachen sortiert man nicht aus.
Ich schon. Für geschenkte Sachen habe ich mich bedankt (und es auch ernst gemeint, denn ich sehe und schätze die liebe Absicht dahinter). Nun gehören sie mir und ich kann mit ihnen machen, was ich möchte. Wenn ich merke, dass ich sie nicht für mich, sondern aus Verpflichtungsgefühl behalten würde, ist es Zeit, mich von ihnen zu trennen. (Lesetipp: Unerwünschte Geschenke)

Beim Sonderangebot schlägt man zu.
Wie sagte mal einer meiner Blogleser: „Ich brauche Handschuhe, weil ich kalte Hände habe. Nicht, weil sie im Sonderangebot sind!“ Treffender kann ich es nicht formulieren. (Für weniger neuen unnötigen Kram im Haus schau dir meinen E-Mail-Kurs „Kramschranke“ an.)

Das da aus der Werbung sieht klasse aus – brauch ich!
Mit Werbung bin ich sehr kritisch geworden. Es ist alles so ausgetüftelt, dass wir das Gefühl bekommen, nur mit der angepriesenen Ware seien wir zukünftig schön / glücklich / gesund / beliebt etc. Ich lege mir deshalb zwischen ersten Kaufimpuls und letztendlicher Anschaffung eine Wartezeit von mindestens 30 Tagen. Das hilft. (Lesetipp: Weniger kaufen mit der Wunschwarteliste)

Geschirr muss einheitlich sein.
Bei mir nicht. Von Geschirr essen wir ja nur.

Man hebt das Spielzeug der Kinder für die Enkelkinder auf.
Ich habe mich entschieden, dass ich das – logistisch – zu belastend fände. Meine Stauräume wären für Jahrzehnte voll von Kisten, von denen ich noch nicht mal sicher wüsste, ob sie jemals jemand abholt (und sich dann noch drüber freut).

Die Liste könnte fast endlos weitergehen. Unser Alltag ist voll von solchen Regeln, die viele Menschen einfach so einhalten – ohne es zu merken. Ging mir auch früher so. Und ich hab mich gar nicht gefragt, ob das wirklich Sinn ergibt.

Denn wenn wir solche verbreiteten Regeln nicht einhalten, fühlen wir uns komisch.

Wieso fühlt man sich so komisch, wenn man solche Regeln bricht?

Wer sich anders verhält als die anderen, fühlt sich komisch. Denn es entsteht Angst vor Ausgrenzung.

Der Mensch ist ein Gruppentier. Früher (in der Höhle) war es überlebenswichtig, von seiner Gruppe nicht ausgestoßen zu werden. Und diese Angst ist fest eingebaut – sie steckt auch heute noch in uns drin.

Bis zu einem gewissen Maß ist das auch heute noch gut – ohne die Einhaltung gewisser Regeln würde eine Gesellschaft nicht funktionieren.

Aber es haben sich eben viele Sitten herausgebildet, die einfach niemandem gut tun (außer vielleicht den Unternehmen, die mit diesem Konsum viel Geld verdienen…).

Hier ergäbe es doch Sinn, zu hinterfragen und kritisch für sich selbst zu entscheiden, welchen dieser Gebräuche man wirklich folgen möchte, und welchen nicht. Nehmen wir uns doch diese Freiheit!

Freiheit aushalten!

Leicht ist es nicht, denn man fühlt sich ja komisch. Am Anfang oft, dann seltener, aber noch später taucht das Komisch-Gefühl nur in besonderen Situationen mal kurz auf.

Wir haben diese Freiheit!

Lasst uns selbst entscheiden, wie viele Dinge wir haben und unseren Kindern zumuten wollen! Wie viele Ressourcen wir verbrauchen, wie viel Abfall wir produzieren wollen.

Lasst uns gut überlegen und selbst entscheiden, wie viel unserer wertvollen Lebenszeit wir damit verbringen wollen, für Dinge zu arbeiten.

Sei dabei, brich diese Regeln!

Und atme tief durch auf der anderen Seite. In deinem minimalistischen Leben. In dem du dich von dem frei machst, was dir im Weg steht. Seien es sinnlose Konsumregeln oder eben einfach nur Dinge.

Danke für deine Aufmerksamkeit.

Deine Birte

PS: Es war mal wieder Blognacht bei der lieben Anna Koschinski. Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Artikel schreiben, aber ihr Impuls zum Regelbrechen hat mir gefallen. Man muss ja seine eigenen Pläne nicht einhalten, nech? Danke, liebe Anna, für den Abend und die Inspiration.

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