Ausmisten – wie fange ich an? Fünf megawichtige Tipps gegen Stress und Überforderung beim Aussortieren

Du willst mit Ausmisten anfangen, aber weißt nicht, wie? Alle Welt redet vom Ausmisten und es klingt immer so leicht – babyeierleicht geradezu. „Einfach mal ausmisten“, heißt es so schön. Sehr witzig. Du stehst da und siehst den ganzen Kram und denkst, das schaffst du eh nicht oder es dauert ewig? Schon der Gedanke ans Anfangen stresst dich mittlerweile? Dann lies diese fünf Tipps für den Einstieg.

Tipp 1: Fang leicht an

Du würdest gern mal mit Ausmisten anfangen. Aber dann fällt dir immer zuerst ein, bei welchem Thema dir das totaaaaaal schwerfallen wird? Was du niiiiiiiemals aussortieren könntest? Was du auf gaaaaar keinen Fall wegschmeißen könntest? Ach, das geht gaaaanz vielen Leuten so.

Klassiker: Bücher, Hobby-Utensilien, Fotos, Omas Erbstücke, Sammlungen und so weiter.

Natürlich sind diese Gedanken wunderbar geeignet, uns insgesamt vom Ausmisten abzuhalten. So nach dem Motto: „Wenn ich eh meine Bücher nicht aussortieren kann, muss ich ja gar nicht erst das Ausmisten anfangen. Dann schaffe ich es ja eh nicht, es durchzuziehen.“

Also überleg dir, welche Sachen, welche Kategorien es sind, die dir beim Gedanken ans Aussortieren den größten Schrecken einjagen.

Und dann fang auf keinen Fall mit denen an.

Egal, nach welcher Methode du vorgehen willst, welche Reihenfolge dir gerade irgendwo empfohlen worden ist: Wenn solche Klopper am Anfang stehen sollen, wirst du höchstwahrscheinlich nach kurzer Zeit frustriert aufgeben (oder gar nicht erst das Ausmisten anfangen).

Merken: Der schwierige Kram kommt ganz zum Schluss.

Stattdessen: Starte mit dem leichten Kram.

Überleg dir, welche Sachen dich besonders nerven. Welche dir schon lange ein Dorn im Auge sind. Bei welchen Dingen du immer denkst: „Das müsste ich eigentlich mal aussortieren.“ Und dann fang damit an.

Aber wenn es solchen Dorn-im-Auge-Kram nicht gibt? Oder er gleichzeitig schwieriger Kram ist, den du ja gerade nicht zuerst ausmisten willst? Hmmmm.

Dann suchst du dir irgendeinen Bereich, der dich gefühlsmäßig so gar nicht aufregt. Bei dem du merkst, dass es dir schnurzpiepe ist, was mit dem Kram passiert, Hauptsache er ist endlich weg.

Was das ist, ist natürlich sehr individuell.

Ein paar Beispiele als Anregung: Schuhputzzeug. Handtücher. Ungenutzte Bad-Utensilien. Bettlaken. Alte Schrauben. Putzmittel. Wollreste. Bedienungsanleitungen.

Dein Wichtig Newsletter - rund um Minimalismus für Eltern und Kinder

Tipp 2: Fang klein an

Hier kommt eine harte Wahrheit: Aussortieren (zumindest im größeren Stil) ist ein echtes Stück Arbeit, körperlich und emotional.

Mein lieber Mann sagt immer, ich solle nicht so oft schreiben, dass Ausmisten schwer sei. Denn es lohne sich ja so, und durch den Minimalismus komme so viel Sinn und Sinnhaftigkeit ins Leben.

Klar, das stimmt! Um nichts in der Welt würde ich mir meinen Kram und mein vor-minimalistischen Lebensstil zurückwünschen. Nie würde ich auf die gefühlt 1000 Vorteile verzichten wollen, die ich erlebe. Also: Es lohnt sich also auf jeden Fall, es anzugehen. Auf jeden Fall!

Nur ändert das eben nichts daran, dass es – erstmal, zumindest am Anfang – schwierig sein kann:

Wir brauchen Zeit dafür. Müssen viele, viele Entscheidungen treffen. Wir müssen räumen, packen, sortieren, auf den Beinen sein, auf dem Fußboden rumkriechen. Und wir treffen auf alte Gewohnheiten, unsere Gefühlswelt, schöne und nicht so schöne Erinnerungen und eine gehörige Portion Psychologie. Das schlaucht.

(Ich finde es wichtig, das zu sagen. Denn wenn es überall immer so leicht klingt – wie sollen wir uns dann bitte fühlen, wenn es uns schwerfällt, mit Ausmisten anzufangen?)

Also, es kann schwierig sein. Damit dich das nicht ausbremst, habe ich diesen Tipp: Fang klein an.

Zum Glück zwingt dich niemand, schnell zu sein. Also tu du es auch nicht. Du willst dich nicht überfordern, sonst macht es keinen Spaß und du hörst schneller wieder auf, als du „Brötchen“ sagen kannst.

Fang klein an.

Und das bedeutet: Mit einer kleinen Menge Dinge.

Zum Beispiel mit einer Schublade, einem Schrankfach, einem kleinen Regal.

Niemand sagt, dass man immer „das ganze Haus“, „das ganze Wohnzimmer“ oder ähnliche Riesenbereiche ausmisten muss. (Außer vielleicht irgendwelche Zeitungsartikel, in denen steht, man könne „einfach mal alles weg tun was man nicht mehr braucht“. Aber sowas lesen wir ja sowieso nicht, oder?)

Wenn du klein anfängst, kommst du am Anfang zwar langsamer voran, aber das ist auf jeden Fall besser als überfordert auf dem Rücken zu liegen, alle Viere von sich zu strecken (im übertragenen Sinn, ist klar) und gestresst gar nichts mehr zu tun.

Tipp 3: Such dir deine Zeit

Niemand kann das ganze Zuhause in einem Rutsch durch-ausmisten, siehe oben. Wir haben es stattdessen mit vielen kleinen Ausmist-Einheiten zu tun.

Meine Erfahrung sagt: Jede Aussortier-Einheit kostet mehr Zeit als man denkt. Es ist meistens mehr Kram als man dachte, es ist manchmal schwieriger zu entscheiden als man dachte, dann kommt vielleicht noch was dazwischen und unterbricht den Lauf. Und am Ende müssen wir noch wegräumen, einsortieren, staubsaugen, entsorgen und so weiter.

Tipp also: Mach die Ausmist-Einheit so klein, dass sie in dein Zeitfenster passt. Und zwar am besten mit Puffer.

Es muss realistisch sein, dass du dein kleines Teilprojekt schaffst, ohne am Ende deines Zeitfensters mit den Füßen noch im Kram-Berg, Fussel-Chaos oder sonstigem unfertigen Durcheinander zu stehen. Sowas frustriert.

Wenn deine verfügbaren Zeitfenster superklein sind, mach superkleine Ausmist-Einheiten. Oder entscheide dich für eine mitlaufende Aussortier-Methode.

In meinem Artikel: Keine Zeit zum Aussortieren? 11 Wege, wie du doch im Alltag Zeit dafür findest stelle ich dir unter anderem Methoden für verschiedene Zeitfenster vor.

Tipp 4: Sei nett mit dir

Aussortieren ist schwierig. Wir sprachen gerade schon genug darüber, öhöm.

Ganz wichtiger Kurz-Tipp dazu: Sei dir nicht böse, wenn du es schwierig findest. Oder wenn du nur langsam vorankommst. Oder wenn du weniger aussortierst als du dachtest, und mehr zurück in den Schrank wandert.

Mit einem guten Freund würdest du ja auch nicht schimpfen deswegen. Warum also mit dir selbst?

Sondern lob dich für deine Erfolge, auch wenn sie klein sind! Jedes aussortierte Teil ist eine Leistung und bringt dich deinem Ziel „Weniger Kram“ näher.

Übrigens: Eigenlob stinkt entgegen einer alten Redensart nicht, ganz im Gegenteil: Du hast es dir sowas von verdient!

Daumen hoch

Tipp 5: Fang an

Hä, was hat sie denn jetzt? Ja, klingt schräg. Wo es doch hier um Tipps geht, wie man das Anfangen schafft. Da scheint sich die Katze in den Schwanz zu beißen. Aber lies kurz noch weiter.

Denn dieser Tipp ist eigentlich der wichtigste Tipp:

Fang an, auch wenn es Hindernisse gibt.

Das Problem ist doch: Von größeren, herausfordernden Projekten lassen wir uns allzu leicht ablenken und haben „leider“ erstmal etwas anderes wichtiges zu tun. Wir haben Zeitprobleme, widerspenstige Familienangehörige, andere wichtige Projekte.

Aber: Es ist ein bisschen wie mit dem Kinderkriegen, der Selbständigkeit, der Weltreise und allen weiteren Großprojekten – einen richtigen Zeitpunkt, an dem alles topp passt, wird es eh nicht geben.

Gans beim Start

Trotzdem – oder gerade deshalb – bleibt das Anfangen der wichtigste Moment im ganzen Ausmist-Aussortier-Minimalismus-schöner-Leben-was-auch-immer-dir-am-wichtigsten-ist-Projekt.

Denn wenn du anfängst, siehst du Ergebnisse. Wenn du Ergebnisse siehst, fühlst du dich gut. Wenn du noch mehr Ergebnisse siehst, fängst du an, dich großartig damit zu fühlen. Von dem Großartigkeits-Gefühl willst du auch mehr. Und schon – bist du Schritt für Schritt, in deinem eigenen Tempo, geübt im Ausmisten geworden und machst weiter, bist du (erstmal) zufrieden bist mit deiner Kram-Situation. Und der Stress beim Gedanken ans Ausmisten ist weg.

Hach. Herrlich!

Und jetzt? Mit Ausmisten anfangen? Hier kommt noch mehr Hilfe

Jaaaaa, nun weißt du wie du dem Stressfaktor „Ausmist-Projekt“ den Kampf ansagen kannst. Leg also einfach mal los. (Und du weißt, was ich meine, wenn ich „einfach“ sage.)

Um dir die einzelne, ganz konkrete Ausmist-Einheit noch leichter zu machen, habe ich eine (kostenlose) Checkliste als PDF für dich (die übrigens auch eine Hilfe dazu enthält, wie du eigentlich entscheiden kannst, was du behältst und was nicht). Damit kannst du Punkt für Punkt die ganz praktischen Schritte durchgehen (und abhaken, wenn abhaken dir genauso viel Spaß macht wie mir). Hier geht es zur „Endlich ausmisten! – Checkliste mit Fragenfinder.“

Endlich Ausmisten - die Checkliste mit Fragenfinder, hier anfordern.

Ich danke dir für deine wertvolle Zeit und Aufmerksamkeit.

Deine Birte

Schreibe einen Kommentar