Minimalismus mit Teenager (wenn Minimalismus-Kinder groß werden)

Kann man weiter minimalistisch leben, wenn die Kinder zu Teenagern werden? Klar! Und zwar so.

Jeder weiß, Teenager können „schwierig“ sein. Stimmungsschwankungen, Rebellion, Streit, was auch immer. Das ist so die Mühle, in die die Kids mit ihren Eltern geraten können. Und wie man allgemein damit umgeht, das fragt Ihr besser jemand anderen.

Aber was macht das Teenager-Werden mit dem Minimalismus der Familie?

Dazu könnt Ihr mich fragen – und hier kommen die Antworten aus meinem Leben und mein Blick darauf, wie man damit friedlich umgehen kann.

Denn wenn wir eins nicht wollen, ist es doch Streit wegen Minimalismus, oder?

Anders als die Eltern

Teenager wollen anders sein als ihre Eltern.

Sie wollen oft das Gegenteil von dem machen, was ihre Eltern ihnen beigebracht haben, vorleben und vorschlagen.

Denn Teenager-Gehirne lockern die Bindung zu ihren Eltern, damit die Teenager aufs Allein-in-die-Welt-hinausziehen vorbereitet werden.

Sind die Eltern Minimalisten, wollen die Teenager es (erstmal) nicht mehr sein.

Und sie wollen manchmal den Eltern eine reinwürgen, weil sie sich mit ihnen streiten müssen. Bindung lockern und so.

Harmloses Beispiel: „Ja, wenn man Minimalist ist (=Ekel-Tonfall vom Typ Kackfleck, Anm. d. Red.), hat man halt nichts anzuziehen“.

Nee, hat man dann wohl nicht. Atmen…

Die gelernten minimalistischen Verhaltensweisen wie häufigeres Aussortieren und vor allem seltenes Kaufen sind erstmal von gestern.

Aber das Bindung-Lockern geht natürlich nicht auf einen Schlag, das wäre dann doch zu krass für alle Beteiligten. Also schwankt das kleine Teenagerchen auch ganz schön hin und her zwischen Andersseinwollen und (gefühltem oder tatsächlichem) Ankuscheln.

Wenn also bei entsprechend veranlagten Kids die abendliche Redezeit gekommen ist (natürlich meistens dann, wenn der Muddi langsam die Augen zufallen), kann es sogar sein, dass am Minimalismus doch noch irgendwie was dran ist und das sogar zugegeben wird. Krass!

Meine Tipps:

  • Verständnis für Anti-Minimalismus haben und nicht aufregen
  • Das eine oder andere Mal trotz Müdigkeit aufbleiben, um die Plappermomente am Abend abzugreifen, zu genießen und zu hören, was wirklich los ist
  • Geduld haben – die Kids sind mit Minimalismus aufgewachsen und er wird schon irgendeine Rolle in ihrem späteren Leben spielen. Nur halt nicht gerade jetzt.

Freunde, Influencer und Zugehörigkeit

Die allermeisten Teenager fühlen Gruppendruck, was Klamotten, Drogerieprodukte und Co. angeht.

Teenager-Gehirne empfinden es als Schmerz, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu sein. Sie sehnen sich ganz besonders nach Zugehörigkeit zu ihren Gleichaltrigen.

Da ist es doch kein Wunder, dass sie keine Experimente wagen und keine Exoten sein wollen. Der Wunsch, stets das zu tragen, was man halt so trägt, und das zu haben, was man halt so hat, ist verständlich.

Eins meiner Mädels hat es so formuliert: „Mama, wenn ich wieder selbst entscheiden kann, was ich anziehe, dann kommen auch wieder Barfußschuhe in Frage. Die sind so bequem, aber im Moment geht das einfach nicht.“

(So reflektiert und irgendwie auch ein bisschen geplagt. So ist das Teenager-Leben.)

Das führt natürlich zu mehr Wünschen bei Klamotten und Co. Ständig gefällt irgendwas nicht mehr, was noch topp in Schuss ist. Und statt einem großen Spender Bio-Shampoo für alle stehen plötzlich 4+ Flaschen pro Person im Bad.

Denn die werten Damen und Herren Influencer preisen natürlich täglich ihr neuestes „Must-Have“ an, ohne das sie definitiv nicht mehr leben können. Und wie könnte das dann unser Teenie?

Meine Tipps:

  • Atmen, Verständnis zeigen, Minimalismus für Teenies nicht durchdrücken
  • An sinnvolle (und bis neulich ja auch noch gültige) Minimalismus-Regeln freundlich erinnern, z.B. die 1-Rein-1-Raus-Regel
  • Zum regelmäßigen Aussortieren ermutigen und Hilfe anbieten
  • Den Stauraum nicht automatisch mitwachsen lassen!
  • Monatliches Kleidergeld (Budgetgeld) einführen. So spart man sich Diskussionen um Notwendigkeiten von diesem oder jenem Kleidungsstück. Die Kids müssen sich das Geld selbst einteilen und sind für sinnvolles Bestücken ihres Kleiderschranks verantwortlich. Was „sinnvoll“ heißt, müssen (und dürfen!) sie selbst rausfinden.
  • Gedankliche Verbindung zwischen „ich hab kein Geld“ und „ich könnte ein paar von meinen Sachen verkaufen“ herstellen – und sie das Verkaufen dann auch selbst (natürlich mit Hilfe bei Bedarf) machen lassen

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Aussortieren

Wir haben schon gehört: Es kommen eventuell mehr Sachen rein.

Aber auch das Aussortieren ändert sich.

Die Interessen wandeln sich. Playmobil und Steckenpferde dürfen nicht mehr im Teenie-Zimmer wohnen – könnte peinlich werden bei Besuch.

Lieber im Keller. Weg können sie aber noch nicht – denn zwischendurch kommen sie doch nochmal zum Einsatz, mit gleicher Begeisterung wie früher.

Viele andere Sachen werden aber durchaus aussortiert.

Das können hier alle Mädels immer noch ungefähr so gut (oder schlecht) wie früher. Ausmist-Stile und Loslassbereitschaft bleiben unterschiedlich und Typfrage.

Aber sie haben Aussortieren nun mal gelernt. Es ist alles eine Frage von Tagesform und Wollen. Und wenn sie es wollen, dann machen sie es auch heute noch. (Bevorzugt natürlich, wenn es ihre eigene Idee war.)

Ordnung und Aufräumen

Die meisten Teenager werden natürlich nicht plötzlich zum Aufräumprofi oder räumen vorbildlich und stets sofort hinter sich her.

Eher im Gegenteil: Ich sehe sogar täglich, wie sich gewisse seit Kindergartentagen gekonnte Dinge wie Teller-wegräumen-nach-dem-Essen wieder ein wenig zurückentwickeln.

(Ich vertrau einfach mal drauf, dass auch das vorübergehend sein wird. Wie man damit umgeht, sind ja eher so erzieherische Fragen, bei denen ich wie gesagt keine so gute Ansprechpartnerin bin…)

Jedenfalls ist es bei diesem Schlendrian umso besser, wenn es weiterhin nicht zu viele Dinge gibt. Wo wenig Dinge sind, fällt das Aufräumen ja leichter.

Und eins der Mädels hat sich tatsächlich in den letzten Jahren zu so einer Art Super-Aufräumerin entwickelt. Sie fühlt sich einfach am wohlsten in einem aufgeräumten Zimmer.

Minimalismus tut trotzdem gut

Niemand, noch nicht mal ein Teenie, kann mir erzählen, dass die Minimalismus-Vorteile plötzlich nicht mehr gelten.

Ausgesprochen wird es natürlich meistens nicht, aber auch das Teenager-Gehirn profitiert von allem, was Minimalismus Gutes bringt.

Entweder ohne dass man es merkt – einfach durch das selbstverständliche Nicht-zugekramt-sein. Oder auch ganz bewusst, zum Beispiel weil man in gewissen Momenten auch als Teenager noch die Gelassenheit hat, nicht zu kaufen.

Vielleicht profitiert ein Teenie sogar ganz besonders davon, dass neben all den Veränderungen, Unsicherheiten und Schulstress nicht auch noch tausende Dinge seine Aufmerksamkeit fordern.

Und was durch alle Altersgruppen hindurch bisher gleich geblieben ist: Ein frisch aussortiertes Zimmer findet jeder gut! Immer! Es ist einer dieser freudvollen Durchatmen-Momente, in dem man sich mit ausgebreiteten Armen aufs Bett fallenlassen oder im Zimmer Polka tanzen möchte.

Frieden mit Teenager-Minimalismus

Lass dir also nicht deine Freude am Minimalismus und erst recht nicht an deinem Teenager vermiesen, weil es wieder ein paar mehr Dinge gibt oder etwas unordentlicher ist.

Meine Tipps:

Denk dran, es ist vorübergehend – irgendwann ist das Teenager-Gehirn mit dem Bindung-Lockern fertig und zieht tatsächlich in die Welt hinaus. (Darauf freuen wir uns ja auch wieder nicht, oder?)

Du kannst deinen Minimalismus bewahren und weiterhin genießen, ohne ihn deinem Teenie aufzudrücken. Es ist Kopf-, Einstellungs- und Gelassenheitssache.

Wir Eltern dürfen und müssen auch lernen, die Verantwortung für den eigenen Lebensstil und die bevorzugte Dinge-Anzahl an unsere Teenager zu übergeben. Sollen es im Moment eher mehr Dinge sein, müssen die eben im Teenie-Zimmer stattfinden. Lass es im Maximalismus versinken, wenn Teenie es so möchte 😉 Das muss ja nicht für den Rest Eures Zuhauses gelten.

Eins ist klar:

Wir haben unseren Teenies diesen Lebensstil gezeigt, ihnen damit wunderbare Fähigkeiten gegeben und einen riesigen Strauß an Möglichkeiten eröffnet. Damit haben wir ihnen einen großen Gefallen getan – aber was sie daraus machen, müssen wir ihnen überlassen.

Wenn du regelmäßig von mir hören willst zu Minimalismus für Eltern und Kinder, einfachem Leben und Co – komm in meinen Newsletter. Ich freu mich.

Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit!

Deine Birte

PS: Dieser Artikel entstand mal wieder in der Blognacht mit Anna Koschinski. Danke, liebe Anna!

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