Auf dem Boden schlafen – mein Experiment. Wieso, weshalb, warum?

Auf dem Boden schlafen statt im Bett. Als Selbstversuch. Experiment halt. Hä? Bin ich nun doch übergeschnappt, durchgeknallt, habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank? Oder wieso komme ich auf so eine Idee? Und was soll das überhaupt bringen? Tut das nicht weh? Berechtigte Fragen. Sehr berechtigt. Daher stelle ich dir hier mein Experiment „Auf dem Boden schlafen“ vor.

Auf dem Boden schlafen – wie ich darauf gekommen bin

„Zack. Ab heute schlafe ich auf dem Boden. Wer braucht schon ein Bett?“

Nee, so war es nicht. Noch nicht mal ich würde das plötzlich denken.

Auf dem Boden schlafen – woher kam die Idee?

Als Minimalismus-Fan bin ich natürlich in einschlägigen Blogs, Kanälen und Gruppen unterwegs. Und da ist mir das Thema in einer Facebook-Gruppe begegnet.

Jemand hat eigentlich nur im Nebensatz erwähnt, sein Bett aussortiert zu haben. Da fragte natürlich jemand nach: „HÄÄÄ? Wieso macht man DAS denn?“ Worauf der Bodenschläfer antwortete, er schlafe am Boden einfach besser als im Bett.

Und dann folgten diverse Kommentare anderer Mitleser/innen nach dem Motto: „Ich auch!“ „Nach kurzer Eingewöhnungszeit ging es total gut!“ „Will nie wieder was anderes!“ „Rückenschmerzen sind viel besser geworden!“ „Schlafe sogar im Hotel nur noch auf dem Boden!“

„Moment mal!“, hab ich gedacht. Und nochmal hochgescrollt. „Rückenschmerzen sind viel besser geworden?“

Du musst wissen, dass ich leider Rückenschmerz-Patientin bin und eine eher schlechte Körperhaltung habe. Wie wahrscheinlich gaaaaanz viele andere Menschen mit mir, besonders die Büro-Sitzer/innen unter uns. Das schränkt mich zum Glück nicht ein in dem was ich tun möchte, aber ich möchte auch nicht, dass es irgendwann soweit kommt.

So hab ich natürlich aufgehorcht, als ich das las. Auch wenn ich vorher noch nie auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet hatte, dass ein Bett irgendwie überflüssig sein könnte. Obwohl ich ja ständig aussortiere.

Bodenschlaf-Recherche

Und so hab ich das Internet leer geguckt nach „Auf dem Boden schlafen“.

Es ist schon ein Nischen-Thema. Aber es ist da: Menschen steigen um von einem ganz „normalen“ Bett auf eine dünne Schlafunterlage auf dem Boden. Manche lassen es nach einiger Zeit wieder bleiben, viele scheinen es fortan zu lieben.

Das fand ich faszinierend. Und nicht nur wegen der Rückenschmerzen. (Das kann ich eh erst glauben, wenn ich es sehe.)

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Warum auf dem Boden schlafen statt im Bett?

Wieso schlafen die Menschen, die im Internet davon berichten, auf dem Boden?

Es gibt eigentlich nur zwei Gründe:

Das Bett aussortieren

Manche finden es einfach eine coole Idee, ihr Bett loszuwerden:

Wenn sie auf dem Boden schlafen, haben sie mehr Platz, den sie für etwas anderes benutzen können. Menschen, die viel umziehen, sparen bares Geld und richtig Aufwand, wenn sie auf dem Boden schlafen. Und natürlich spart es auch Geld, wenn man sich nicht alle paar Jahre eine neue Matratze (möglichst noch mit allen High-Tech-Finessen und am besten auch gleich einen neuen Lattenrost) kaufen muss.

Statt eines Bettes schaffen diese Bodenschläfer/innen sich dann aufroll- oder anderweitig wegräumbare Schlafunterlagen an, die tagsüber nicht herumliegen.

Gesundheitliche Gründe

Und dann gibt es noch die Menschen, die sagen, es sei einfach gesund und wohltuend, auf einer harten Unterlage (also zum Beispiel dem Boden) zu schlafen.

Zum Beispiel

  • soll sich der Körper dann (besonders in Rückenlage) in der Nacht am Boden wieder so ausrichten können wie er gedacht ist,
  • sollen sich die Muskeln dann besonders gut entspannen können, da im Gegensatz zum Schlafen auf einer weichen Matratze kein Körperteil mehr weich herumwabern kann und unbewusst gehalten werden muss,
  • soll sich die Körperhaltung langfristig verbessern,
  • soll die harte Unterlage die Durchblutung fördern,
  • soll mehr Bewegung im Schlaf stattfinden durch häufigeres Umdrehen, und Bewegung soll gut sein auch in der Nacht,
  • soll es förderlich für die langfristige Fitness sein, wenn man täglich mindestens einmal gezwungen ist, vom Boden aufzustehen,
  • sollen sich durch all diese Effekte Schmerzen reduzieren und die Haltung bessern können.

Und vor allem gibt es auch Menschen da draußen, die das aus eigener Erfahrung bestätigen.

Klingt ja erstmal nicht so schlecht!

Was spricht dagegen?

Ich will hier nicht in die Scharlatanerie einsteigen. Das oben sind Meinungen und Erfahrungen über das Schlafen auf dem Boden. Positive Effekte KÖNNEN eintreten. Müssen aber nicht.

Natürlich gibt es auch Kritiker. Und Leute (auch Mediziner), die sagen das sei ungesund. Oder nur in bestimmten Schlafpositionen zu empfehlen. Und und und.

Und es gibt anscheinend keine Studie oder ähnliches, die das Schlafen auf dem Boden (und nicht nur die Unterschiede zwischen weichen und etwas festeren Matratzen) ausführlich, wissenschaftlich korrekt, langzeitbezogen und so weiter untersucht hat. Ich hab jedenfalls nichts dazu gefunden.

Aber weißt du was? Ich hab mich einfach trotzdem dafür entschieden.

Und ich hab auch nicht vorher meinen Orthopäden gefragt. (Das wiederum muss natürlich auch jede/r Bodenschläfer/in selbst entscheiden! Ich weiß ungefähr, was mein Orthopäde zu meinem Rücken sagt und weiß, dass im Großen und Ganzen nichts daran wirklich kaputt ist. Daher hab ich das einfach selbst entschieden und vertraue auf mein Gefühl. Bitte in Zweifelsfällen lieber einmal abklären!)

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Und warum schlafe ICH nun auf dem Boden?

Klar, mich hat das gesundheitliche Argument gefesselt.

Und beim Weiterlesen dann das ganze Thema „Auf dem Boden schlafen“:

  • Warum haben wir eigentlich Betten mit festen, mittelfesten, mittelweichen oder weichen Matratzen mitsamt einem passenden Lattenrost dazu? (Alles sauteuer, versteht sich.)
  • Wieso ist das so selbstverständlich? Gibt es das nicht auch anders?
  • Weshalb schlafen ganze Völker und Kulturen (und zwar nicht nur die, die sehr naturnah leben) auf dem Boden, obwohl es definitiv anders ginge? Schau nach Japan, da wird traditionell und auch heute noch sehr verbreitet auf dem Boden auf einem Futon aus Baumwolle geschlafen.
  • Und wieso schlafen auch Menschen in meinem Alter noch ganz lustig-vergnügt auf Isomatten im Zelt, aber ich denke das ginge für mich nicht?
  • Wenn meine Matratze schon sieben Zonen haben und aus gefühlten 20 weltraumerprobten Materialien bestehen „muss“ – wie konnten wir Menschen denn früher (und ganzganz früher) zurechtkommen?

Sowas zu hinterfragen, das mag ich. Klar, ist ja auch Minimalismus pur.

Und offenbar lautet die Antwort hier (natürlich sehr verkürzt): Das hat sich eben so entwickelt und heute „braucht man“ eben Bett, Matratze und Lattenrost, natürlich in Hightech.

Ach Quatsch, das reicht mir nicht.

Und außerdem will ich doch alles versuchen, um meinem Rücken etwas Gutes zu tun.

Und zu allem Überfluss war meine Matratze gerade eh vollkommen durch und ich hatte angefangen, nun sogar schon morgens mit Rückenschmerzen VOM Schlafen aufzuwachen. Das geht ja wohl gar nicht! Aber welche ich neu kaufen soll (und welchen Lattenrost dazu) – das war gleich wieder so ne unlösbare Frage. Ich hatte keinen blassen Schimmer, denn da sagt auch jeder was anderes!

So, ich könnte jetzt noch lange über das Hin und Her in meinem Kopf reden. Letztlich gab es doch nur eines: Ich musste es ausprobieren! Ich musste auf dem Boden schlafen! Erst dann würde ich Bescheid wissen und das Thema auf die eine oder andere Art abhaken können.

Experiment „Auf dem Boden schlafen“: Versuchsbeschreibung

Versuchszeitraum

Ich starte mein Experiment am 25.12.2020. Versuchsdauer ist offen, wird laufend neu entschieden. Geplanter Mindestzeitraum, falls keine Katastrophen passieren: Zwei Wochen.

Versuchsaufbau

Ich nehme meine Bettdecke und mein Kopfkissen und schlafe auf dem Boden auf einer abpolsternden Unterlage, die seeeeeehr viel dünner ist als meine kuschelig-fluffige Matratze.

Ich hab mich gegen die Holzhammermethode (=direkt auf Nur-Yogamatte) und für das planvolle Herantasten entschieden. Also beginne ich mit einer noch etwas weicheren Unterlage und schaue dann. Läuft es gut, probiere ich auch dünnere Unterlagen aus.

Ich peile die Rückenlage an (im Idealfall ohne Kopfkissen) und schaue mal was passiert. Rückenlage ist nämlich nicht gerade meine angestammte Schlafposition. Außerdem neige ich da (hoffentlich wie gaaaanz viele andere Menschen!) zu gar niedlichen nächtlichen schnarch-ähnlichen Geräuschen…

Hinweis zur Durchführung

Absolute Einigkeit in allen Erfahrungsberichten ist, dass die ersten Nächte „die Hölle“ oder zumindest „sehr, sehr unbequem“ seien. Und der Körper eine Eingewöhnungszeit benötigt, bevor irgendwelche positiven Effekte eintreten können. Durchhalten und Abwarten, ob nun mit oder ohne Teetrinken, ist angesagt.

Versuchsergebnisse

Natürlich berichte ich hier im Blog von meinen Erfahrungen. Im Newsletter erfährst du automatisch davon.

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Und nun?

Und? Hast du auch schon mal überlegt, sowas auszuprobieren? Kommt es dir auch so abgefahren vor wie mir? Schreib mir doch im Kommentar oder eine Email.

Eigentlich ist es ja auch nur wie beim Camping und ich komme mir schon fast komisch vor, das Thema so aufregend zu finden. Aber beim Camping schläft man eben hart, weil es nicht anders geht.

Für mich bleibt es spannend. Der Bericht zu meinen Erfahrungen wird beizeiten hier verlinkt.

Wenn du bis dahin schon Erfahrungsberichte und Infos aus anderen Quellen lesen willst, kannst du hier mal gucken:

Natürlich gibt es noch mehr. Aber schau ein bisschen darauf, ob der Artikel vielleicht von einem Betten-Shop geschrieben ist. Da könnte natürlich noch das eine oder andere Verkaufsinteresse mitschwingen…

Danke für deine Aufmerksamkeit!

Deine Birte

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4 Gedanken zu „Auf dem Boden schlafen – mein Experiment. Wieso, weshalb, warum?“

  1. Hi, Birte, ich weiß nicht, ob ich darauf kommen würde, das auszutesten. Aber mein Mann z.Bsp.hat Morbus Bechterew und mal bei einem Krankenhausaufenthalt festgestellt, das er auf einer Stahl- Auflage (also ganz fest), plus feste dünne Matratze sehr gut geschlafen hat. Daher jetzt normale Bretter für ihn, anstatt Lattenrost. Prima.
    Und ich bin immer ganz fasziniert, wenn ich in Freiluft Museen die Bett – oder Schlafstellen der Menschen von früher betrachte. Feste Unterlagen, ein wenig Stroh darüber- fertig. Sicher waren unsere Vorfahren auch mal krank, aber Haltungsschäden gab es bestimmt nicht soviele. Die Menschen früher hatten ja auch einen ganz anderen Alltag. Ich wünsche Dir viel Erfolg, Huby

    Antworten
    • Liebe Huby,
      nee, alleine wäre ich auch nicht darauf gekommen, das zu testen. Aber als ich erstmal auf das Thema gestoßen war… fand ich es doch zu spannend! Und es ist doch auch faszinierend, wie individuell es ist, wie wer gut schlafen kann. Also denke ich: Ausprobieren ist die einzige Lösung. Und wenn man auf sich achtet und auf sein Gefühl hört, kann doch auch nichts schiefgehen, denke ich. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.
      Liebe Grüße
      Birte

      Antworten
  2. Auf die Idee, daheim auf dem Boden zu schlafen, bin ich echt noch nicht gekommen! Andererseits sind wir seit Jahren jeden Sommer wochenlang minimalistisch mit Zelt unterwegs und es ist immer eine Erholung für unsere Rücken – sowohl das Schlafen auf der Isomatte, als auch das Kochen, Essen, Lesen, Spielen im Sitzen am Boden. Meistens reicht es als Kur für das ganze Jahr… Aber falls sich der Rücken doch mal regen sollte, weiß ich jetzt, was ich ausprobieren kann…
    Liebe Grüße,
    Nanni

    Antworten
    • Liebe Nanni, danke für deinen Kommentar!
      Ich finde es total interessant, was du schreibst: Dass das Zelten deinem Rücken gut tut. Bei mir ist es ja bisher so, dass ich denke, gar nicht auf Isomatte und co schlafen zu können, weil ich davon Rückenschmerzen bekomme. Auf die Idee, dass sich das nach einiger Zeit geben könnte, bin ich noch nie gekommen. Bin sehr gespannt!
      Verrückt klingt das Bodenschlafen (das ja im Grunde dem Zeltschlaf vergleichbar ist) ja vor allem deshalb, weil es mittels Bett auch anders ginge.
      Liebe Grüße Birte

      Antworten

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