Nicht schon wieder dieses Problem! Es heißt „Das ist ja noch gut! Zu schade zum Wegwerfen!“ Das ist ein echtes K.O.-Argument. Oder?
Heute reden wir über eine Herausforderung aus dem Themenkreis „Loswerden“. Denn – du hast es bestimmt auch schon gemerkt, wenn du schon mal aussortiert hast – die Entscheidung allein reicht nicht, sondern die Sache muss auch aus dem Haus. Und das ist manchmal auch gar nicht so ohne!
Deswegen gibt es hier auf Dein Wichtig schon allerhand Tipps dazu. Gib einfach mal „Loswerden“, „Verkaufen“, „Verschenken“, „Flohmarkt“ oder ähnliches ins Suchfeld ein. Oder lad dir den Loswerde-Plan als pdf im Newsletter herunter.
Klassiker: „Das ist zu schade zum Wegwerfen“
Ein Gedanke poppt eigentlich beim Aussortieren immer wieder hoch. Das schlechte Gewissen in Form von „Das ist zu schade zum Wegwerfen“ oder „Das ist noch gut, das kann man doch nicht wegwerfen“ oder auch „Wegwerfen ist nicht nachhaltig.“ Einen dieser drei Sätze höre ich eigentlich von jedem, mit dem ich über das Aussortieren spreche.
Lass uns heute ein kleines Gedankenexperiment wagen. Warum landet man überhaupt bei „Wegwerfen“ und warum ist das total ok?
Verkaufen – nee
Gut, wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass Verkaufen keine Option ist. Aus dem einen oder anderen Grund. Falls das noch dein Thema ist, schau gern noch in die Artikel, die ich oben erwähnt habe, oder in den Loswerde-Plan.
Aber verschenken?
Vielleicht hast du auch schon rumgefragt, ob jemand dein aussortiertes Dings noch haben möchte. Das ist ja schließlich noch gut!
Hast aber niemanden gefunden – und als du es die Straße gestellt hast, stand es abends immer noch da. Hast es reingeholt, denn es sollte regnen. An dieser Stelle musst du davon ausgehen, dass sich die Sache nicht verschenken lässt.
Spenden?!
„Aber dann spende ich das, jemand anderes kann es ja noch gut gebrauchen!“, denkst du dir.
Ok. Und DAS denken sich so viele andere Menschen – und überschütten (ü-ber-schüt-TEN!) täglich die Spendenannahmestellen.
Alle diese Spenden kommen von Herzen, kein Zweifel. Aber die Spendenannahmen sind fast überall überlastet und können schon nur noch bestimmte Sachen oder gleich gar nichts mehr annehmen.
Denn – Merksatz: Es gibt einfach insgesamt viel zu viel Zeug.
Akzeptier das ohne Wundern und Groll, es ist einfach so.
Außerdem müssen gespendete Sachen in einem guten Zustand sein, denn sonst möchte sie auch kein Abnehmer dieser Spendenannahme mehr weiter benutzen. Auch hier hapert es, denn viele Menschen geben Sachen in zu schlechtem Zustand ab, weil sie sie anscheinend auch irgendwie „noch zu schade zum Wegwerfen“ finden. (Ich nehme mich da überhaupt nicht aus, zum Glück mach ich das heute nicht mehr.)
Klar, irgendwo auf der Welt gibt es ganz sicher Menschen, die diese Gummistiefel mit den deutlichen Gebrauchsspuren ziemlich gut gebrauchen könnten. Nur, seien wir ehrlich, zu diesen Menschen bekommst du diese Sachen nicht zuverlässig und zielgerichtet hin, ohne erstmal deine eigene NGO zu gründen.
Also: Am Ende müssen die Sachen von den fleißigen Helfer:innen der Spendenannahme mühsam (und kostenpflichtig!) entsorgt werden. Diese Aufgabe sollten wir ihnen abnehmen, indem wir schon vorher einmal ehrlich zu uns sind und entscheiden, dass diese Warnweste, die jedes Erstklässlerkind hierzulande zum Schulanfang geschenkt bekommt und die deshalb in jedem Haushalt einmal pro Kind vorhanden ist, doch nicht zur Spendenannahme gehört.
Das ist Müll!
Weil es also eh schon viel zu viel Zeug gibt, denk mal über diesen Satz nach:
Alle Sachen sind Müll von dem Moment an, in dem sie produziert werden.
Nicht sofort vielleicht (wobei, bei manchen……), aber am Ende ihrer Nutzungszeit werden sie Müll sein. Und eben schon früher, wenn sie keiner mehr benutzen möchte. Dann ist ihre Nutzungszeit ja eigentlich um. Sie werden einfach sowieso irgendwann auf dem Müll landen. Wer es macht, dieses Fallenlassen in die Tonne, ist bei so einer Sache nicht so entscheidend.
Klar, wir wollen diese Person irgendwie nicht sein. Aber ganz ehrlich: Wenn sich nunmal gerade niemand mehr dafür interessiert (ja! Weil es halt zu viel Kram gibt!), dann ist diese Sache Müll! Heute! Dann brauchst du dich auch nicht mehr zu quälen mit dem „das ist doch noch gut“.
Diese Sache darf einfach in die Tonne.
Ja, wir können da jetzt rumdiskutieren und das Ganze logisch durchbohren und finden dann vielleicht einen kleinen Fehler in der Argumentationskette, und dann war da ja noch dieser Mensch auf der andren Seite der Erdkugel, der das doch noch ganz gut gebrauchen könnte. Aber darum geht es nicht. Hatten wir ja gerade schon. Es ist ein Gedankenexperiment und soll die Falle im „das ist doch noch gut“ entlarven.
Also behalten!?!
Wenn du die Sache trotzdem nicht wegwerfen magst, bleibt somit leider nur noch, sie zu behalten. Ist ja logisch die einzige Lösung! Dann muss sie nicht weggeworfen werden, und das ist dann ja gut.
Oder?
Ach so, nee. Du brauchst sie ja auch nicht mehr, diese vierte Küchenschürze (mit dem fast gar nicht sichtbaren kleinen Fleck am Rand). Deswegen hast du sie ja aussortiert! Weil du sie nicht mehr brauchst.
Wenn du sie jetzt behältst, hast du sie ja immer noch!
Und benutzt wird diese Schürze immer noch nicht.
Das ist dann wirklich weder sinnvoll noch nachhaltig. Und auch kein Schritt auf deinem Weg zu einem Leben, in dem du von den Dingen umgeben bist, die du wirklich benutzt und toll findest.
Also: Behalten wäre wirklich eine komische Lösung.
Einzig folgerichtig ist Tonne! (Die mit der richtigen Deckelfarbe natürlich.)
Du bist anderer Meinung?
Das kann ich gut verstehen. Gerade die Menschen mit einem besonderen Herz für Nachhaltigkeit, Weiternutzen und Wiederverwendung schmerzt der Gedanke, dass diese Sache nun in den Müll soll. Kein glücklicher neuer Nutzer. Kein Upcycling. Kein Noch-Was-Draus-Basteln.
Klar kannst du das Dings dann vielleicht doch lieber aufheben. Es ist alles dir überlassen. Es ändert aber irgendwie nichts daran, dass es niemand benutzt. Denn du brauchst es ja nicht mehr. Sonst hättest du es ja nicht aussortiert.
Und was ist nun die Lösung?
Die ist nach unserem kleinen Gedankenexperiment einfach:
Diese Sache kommt in den Müll.
Und die nächste Sache kaufst du gar nicht erst. Dann muss sie nicht produziert werden. Und niemals weggeworfen!
Wenn du nichts brauchst, kauf nichts, auch nicht gebraucht.
Wenn du was brauchst, kauf Second Hand, nimm geschenkt, geh an den Tauschschrank.
Es ist doch irgendwie ganz einfach.
Und falls du jetzt doch nochmal deine Loswerde-Prozesse überdenken willst, schau vielleicht beim Loswerde-Plan vorbei.
Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit!
Deine Birte
PS: Dieser Artikel entstand mal wieder in der Blognacht mit Anna Koschinski. Danke, liebe Anna!





Den Beitrag hätte ich vor ca. einem Jahrzehnt gebraucht. Kurz vor einem Umzug wollte ich meinen Hausstand etwas verkleinern, sortierte aus und kam auch über die Hürde, dass das prinzipiell noch gut wäre. Hatte mir dann von anderen Personen helfen lassen, die dieses „das ist aber noch gut“ ganz fest in ihren Köpfen hatten und dadurch alles aber keine Hilfe waren.
Wir leben in einer Überflussgesellschaft und manchmal findet sich eben keiner für den Überfluss, den man da weggeben möchte.
Liebe Martha, ja, das stimmt. Ich denke beim Aussortieren ist dann wirklich manchmal der Moment gekommen, wo das Teil weg muss, damit es nicht die schädliche Wirkung auf den Besitzer haben kann, die es als unwichtiger Zeitfresser nun mal hat. Der beste Teil daran, der dann doch wieder zu mehr Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit führt, ist dass man dann ja zukünftig keine unnötigen Sachen mehr kaufen will/wird. So wird der kurzfristige Kompromiss zu einem langfristigen Vorteil für einen selbst und das System. Danke für deinen Kommentar und dein Mitlesen!