Ausmisten und Aussortieren fällt schwer? Der Besitztumseffekt (Endowment Effect) und wie du ihn austrickst

Kennst du das? Du gehst ans Ausmisten, Entrümpeln, Aussortieren. Du willst heute endlich richtig groß Platz schaffen in deinen Schränken, deinem Keller, wo auch immer. Und dann – sortierst du trotzdem fast nichts aus? Oder gefühlt viel zu wenig? Oder es fällt dir total schwer? Damit hat bestimmt der Besitztumseffekt (Endowment Effect) zu tun. Was das ist, woher er kommt und wie du ihn austrickst.

Was ist der Besitztumseffekt?

In der Ökonomie und der Psychologie kennt man den Begriff des Besitztumseffekts, auf Englisch Endowment Effect.

Er besagt, dass wir eine Sache wertvoller finden, wenn sie uns gehört oder wir sie zumindest besitzen, als wenn es nicht unsere ist. Das wurde in verschiedenen Experimenten nachgewiesen.

Das Kaffeebecher-Experiment

Das berühmteste (jedenfalls sehr häufig zitierte) scheint das Kaffeebecher-Experiment von Daniel Kahneman (Psychologe), Jack L. Knetsch und Richard H. Thaler (beide Wirtschaftswissenschaftler) aus dem Jahr 1990 zu sein. (Falls du die Veröffentlichung im Original lesen willst, findest du sie hier im Journal of Political Economy von 1990).

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Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt.

Die Teilnehmer der einen Gruppe bekamen jeder eine Kaffeetasse und wurden gefragt, für wie viel Geld sie die Tasse verkaufen würden. Erlaubt waren alle Zahlen zwischen $ 9,25 und $ 0,25. Durchschnittlich nannten diese Teilnehmer einen Verkaufspreis von $ 7,12.

Den Teilnehmern der anderen Gruppe wurden auch solche Kaffeetassen gezeigt und sie sollten sagen, wie viel Geld sie für die Tasse ausgeben würden, um sie zu kaufen. Erlaubt waren wiederum alle Zahlen zwischen $ 9,25 und $ 0,25. Die Teilnehmer dieser Gruppe nannten durchschnittlich einen für sie angemessenen Kaufpreis von $ 2,87.

Guck dir das an!

Die Menschen, die die Tasse schon hatten, fanden sie im Durchschnitt fast 2,5 Mal so wertvoll wie die Menschen, die genau so eine Tasse zum Kauf angeboten bekamen! Obwohl es die gleichen Tassen waren.

Ein ähnlicher Versuch wurde im Jahr 2000 in Bezug auf Eintrittskarten für ein Basketballspiel durchgeführt und zeigte ebenfalls, dass die „Verkäufer“ den Tickets mehr als das doppelte an Wert zumaßen wie die „Käufer“. (Hier geht es zur Veröffentlichung von Ziv Carmon und Dan Ariely im Journal of Consumer Research aus dem Jahr 2000).

Woher kommt der Besitztumseffekt?

Für den Besitztumseffekt werden mehrere Gründe verantwortlich gemacht. Vor allem die Angst vor dem Verlust und das Streben, an der gegenwärtigen Situation nichts zu verändern. Das sind menschliche Eigenschaften, die in uns angelegt sind.

(Interessanterweise gibt es Kulturen, in denen der Besitztumseffekt nicht auftritt. Nachgewiesen wurde das bei einer Gruppe von Jägern und Sammlern, die von der „modernen“ Gesellschaft abgeschieden leben. Wenn du Interesse an dieser Studie hast, klicke hier.)

Was hat der Besitztumseffekt mit Ausmisten und Aussortieren zu tun?

Aus dem Kaffeebecher-Experiment (und weiteren) ergibt sich: Wenn uns etwas gehört oder wir es zumindest irgendwie haben, finden wir es wertvoller.

Deswegen fällt es uns oft auch megaschwer, es wegzugeben. (Jedenfalls wenn wir gefühlt nicht angemessen dafür bezahlt werden.)

Und da die meisten Minimalismus-Reisen mit dem Aussortieren nicht mehr benötigter Sachen beginnen, trifft jede/r früher oder später auf diese Hürde.

Wenn wir also so in unserem Keller, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad, wo auch immer stehen mit genau dem Ding in der Hand, das wir gerade aussortieren wollen, finden wir, dass wir es eigentlich behalten sollten. In unserem Kopf gibt es dann die verschiedensten wichtigen Gründe dafür:

  • Weil wir es vielleicht noch brauchen könnten. Irgendwann.
  • Weil es so teuer war.
  • Weil wir beim Verkauf nicht das dafür bekommen würden, was es „wert“ ist.
  • Weil es doch noch gut ist.
  • Und so weiter.

Und am Ende – behalten wir es.

Wir behalten es, unter anderem weil der Besitztumseffekt uns genau diese Sache so schöngeredet hat, dass wir sie nun quasi megatoll finden (oder zumindest viel toller als wir dachten). Und sie auf keinen Fall aussortieren können.

Der Besitztumseffekt ist nicht der einzige Grund für Schwierigkeiten beim Ausmisten/Aussortieren, aber schon ein ziemlich, ziemlich störender.

Wie kannst du den Besitztumseffekt austricksen?

Der Besitztumseffekt ist Psychologie. Der Mensch tickt halt so. Das kannst du nicht ändern und ich auch nicht. (Auch wenn ich ihn liebend, liebend gern abschaffen würde…ich würde ihn dann auch gern gleich für dich mit abschaffen, versprochen.)

Also, abschaffen geht nicht. Aber es gibt einen Trick in zwei Schritten für schwierige Entscheidungen über das Gehen oder Bleiben einer Sache:

Stell dir jetzt vor, du stehst da mit dem Aussortierkandidaten in der Hand.

Erster Schritt: Denk an den Besitztumseffekt

Mach dir zuerst nochmal bewusst, dass es den Besitztumseffekt gibt. Erinnere dich dran, dass du diese Sache besser, toller, wertvoller findest, allein weil es deine ist. Wenn es nicht deine wäre, würdest du sie weniger wertvoll finden.

Zweiter Schritt: Sei nett zu dir

Ganz wichtig: Lächel dir einmal zu, du hast nichts falsch gemacht! Das Ganze „Problem“ findet aus psychologischen Gründen statt, für die du nichts kannst.

Dritter Schritt: Stelle die wichtige Frage

Frage dich nun: „Was würde ich heute für diese Sache ausgeben, wenn ich sie nicht schon hätte? Was würde ich dafür tun, diese Sache zu bekommen?“

Und wie wird die Antwort ganz oft lauten?

„Nix natürlich!“

Klarer Fall, das Ding kann weg.

Also nochmal, eine megatolle Zauberfrage (die dir nicht in allen, aber in vielen Aussortier-Entscheidungen helfen kann):

„Was würde ich heute für diese Sache ausgeben, wenn ich sie nicht schon hätte?“

Es kann natürlich auch sein, dass du nicht „Nix“ sagst. Dann müsstest du das Ganze weiter hinterfragen. Wieviel Geld würde ich dafür ausgeben? Warum würde ich diesen Betrag für die Sache ausgeben? Wofür würde ich sie mir heute anschaffen?

So kommst du deinen Schwierigkeiten besser auf die Schliche. Vielleicht findest du doch noch zu der Entscheidung, die Sache trotz Besitztumseffekt gehen zu lassen.

Mutmacher

Wichtig: Du musst ja die Sache nicht aussortieren. Wenn sie für dich wirklich wichtig ist, dann behalte sie. Und zwar ohne dich schlecht zu fühlen!

Du bist nicht in einer Prüfung, musst niemandem etwas beweisen und es geht auch nicht darum, wer am Ende die wenigsten Sachen hat. Wenn dein Leben besser ist mit dieser Sache, wenn sie dir wirklich wichtig ist, dann behalte sie.

Das Wichtigste ist, dass du das selbst und bewusst so entscheidest.

Dein nächster Schritt

Was kannst du jetzt tun?

Trick ausprobieren

Erinnere dich bei der nächsten Aussortier-Entscheidung an diesen Trick.

(1) Erinnern, (2) lächeln, (3) bewerten, (4) entscheiden.

(Cool! Das könnte ich „ELBE“ nennen!)

Oder probiere den Trick jetzt gleich mal aus! Du findest doch bestimmt eine Sache, die eigentlich mal weg könnte, bei der du dich aber bisher nicht so recht entschließen konntest.

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Deine Birte

PS: Und warum ist Aussortieren überhaupt eine gute Idee und Minimalismus so toll?

Bild der Kaffeetasse von Somchai Chitprathak auf Pixabay.

Übrige Bilder von Robin Higgins auf Pixabay.

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